Erziehung: Die richtige Kommunikation mit Kindern

So reden Eltern mit ihrem Nachwuchs

Die meisten Eltern durchlaufen oftmals ein Wechselbad der Gefühle, was die Gesprächigkeit der eigenen Kinder angeht. So scheint im Kindergarten- und Vorschulalter der Mund nicht mehr stillzustehen. Die Kinder sind neugierig und man wird als Mutter oder Vater mit einem regelrechten Feuerwerk von Fragen bombardiert. Im Laufe der Entwicklung - besonders im Teenageralter - versiegt der Redefluss jedoch urplötzlich. Einfachste Fragen werden gar nicht oder nur noch sehr wortkarg beantwortet. Allerdings können die Auswirkungen fatal sein, wenn man mit den heranwachsenden Kindern gar nicht mehr ins Gespräch kommt. Doch wie sieht eigentlich die richtige Kommunikation mit Kindern aus und wie kann man diese wieder verbessern?

Besserwisserei stört die Kommunikation

Wenn sich Kinder ihren Eltern gegenüber verschließen und die Gespräche immer mehr abnehmen, liegt das meist an der natürlichen Hierarchie innerhalb Familie. Vor allem Jugendliche rebellieren gern und haben nicht mehr den gleichen Respekt vor Autoritäten wie früher. Hinzu kommt, dass die Eltern am längeren Hebel sitzen und dies den Nachwuchs oftmals spüren lassen. Selbst in harmlosen Gesprächen werden die Kinder oder Jugendlichen - absichtlich oder unabsichtlich - gemaßregelt. Wenn der Sohn beispielsweise gesteht, dass er „heute irgendwie so müde ist“ oder die Tochter beichtet, dass der Vokabeltest daneben ging, machen sich die Eltern mit Bemerkungen wie „Dann geh halt früher ins Bett“ oder „Beim nächsten Mal wird noch mehr gelernt“ keine Freunde. Vor der nächsten Antwort, die als Belehrung aufgefasst werden könnte, sollten Eltern also kurz durchatmen und überlegen, ob sie nicht vielleicht einfach nur verständnisvoll nicken sollten. Es ist auch hilfreich, wenn man als Elternteil in Gedanken zeitlich ein paar Jahre zurückgeht und daran denkt, wie die gleiche Situation bei einem selbst ausgesehen hat.

Ausfragen verboten, Interesse zeigen erwünscht

Wenn sich die Kinder mundfaul zeigen, heißt das nicht, dass sie sich über elterliches Interesse nicht freuen würden. Im Gegenteil: Nichts ist für Kinder schlimmer, als das Gefühl, den Eltern völlig egal zu sein. Den Eltern muss das Kunststück gelingen, einerseits Interesse zu zeigen, aber andererseits den Kindern auch nicht das Gefühl zu geben, dass man sie ausfragen möchte. Demnach sind Fragen wie: „Wo warst Du schon wieder?“ oder „Warum hast Du das noch nicht gemacht?“ zu vermeiden, da diese an ein Verhör erinnern und bereits in der Fragestellung zu viel Zündstoff enthalten. Dass sich Kinder bei derartigen "Gesprächen" immer mehr verschließen, ist dann auch kein Wunder. Hilfreich sind bei der richtigen Kommunikation klare Ich-Botschaften oder offene Fragen. Also „Ich habe das Gefühl, dass…“ oder „Ich würde mich freuen, wenn…“. Beißt man bei einem Thema auf Granit, sollte man das vorerst akzeptieren - insofern es vertretbar ist.

Schwächen zeigen macht menschlich und bricht das Schweigen

Eltern, die alles tun, um vor ihrem Nachwuchs möglichst perfekt zu erscheinen, erweisen sich einen Bärendienst. Der scheinbar perfekte Vater, der immer weiß, wo es langgeht oder die selbstbewusste Mutter, die alles im Griff hat, können die Heranwachsenden mächtig einschüchtern und das gilt vor allem dann, wenn die diese immer mit einem guten Ratschlag bei der Hand sind. Wer würde bei solchen Eltern schon von seinem Liebeskummer oder Versagensängsten berichten wollen? Eltern können das Eis brechen, indem sie zum Beispiel ihre Schwächen, Probleme oder Ängste nach außen kommunizieren. Die Erzählungen über die erste Abfuhr beim anderen Geschlecht oder die regelmäßigen Blackouts bei Referaten zeigen Verständnis und machen den Vater oder die Mutter eher zu einem Freund als zu einem Vormund.

Gesprächsbereitschaft signalisieren und Gesprächsunwillen akzeptieren

Läuft die Kommunikation mit den Kindern seit einiger Zeit stockend, ist Geduld gefragt. Wer Gespräche wochenlang auf ein Minimum reduziert hat, kann nicht erwarten, dass die Kinder nun plötzlich redselig werden, nur weil man als Elternteil sein Kommunikationsverhalten geändert hat. Die Kinder haben sehr feine Antennen dafür, ob die Verhaltensänderung von Herzen kommen oder einfach nur gespielt sind.

Entscheidend für das Gelingen eines Gespräches ist natürlich auch der richtige Zeitpunkt. Kommt der Nachwuchs schlecht gelaunt aus der Schule, sollten Schweigsamkeit und der Rückzugswunsch akzeptiert werden. Dieses Verständnis kann die Kommunikation deutlich verbessern, da kein unnötiger Druck aufgebaut wird. Denn die Bereitschaft, mit den Eltern zu reden, wird unter anderem auch durch ausreichende Pausen gefördert.

Die richtige Kommunikation als Eltern vorleben

Kinder lernen viel von Mutter und Vater und dementsprechend darf die Kommunikation der Eltern nicht gestört sein. Wer mit seinem Partner nicht respektvoll umgeht und kaum miteinander spricht, muss sich nicht wundern, wenn die Kinder ebenso schweigsam werden oder Probleme bei der Kommunikation entwickeln. Zeigen sich an dieser Stelle Defizite, muss zunächst an der Beziehung gearbeitet werden, bevor man ein besseres Verhältnis zu seinen Kindern aufbauen kann.

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