Kommunikation: Smalltalk im Ausland

Smalltalk - andere Länder, andere Themen und Sitten

Smalltalk ist nicht gleich Smalltalk. Selbst ein vermeintlich sicheres Thema kann den Gesprächspartner brüskieren. Abhängig von der jeweiligen Nationalität gibt es hier gewaltige Unterschiede dessen, was als geeignete Konversation für einen gelungenen Smalltalk erachtet wird. Denn während ein Italiener mit einem „Wie geht’s der Familie“ aus der Reserve gelockt werden kann, fühlt sich ein Franzose von derart privaten Fragen möglicherweise in die Enge getrieben. Natürlich hängt die Themenwahl immer von der Mentalität des einzelnen Gesprächspartners ab, doch gibt es für jede Nation einige Themen, die auf dem Smalltalk-Parkett als problematisch gelten, wohingegen sich mit anderen die gewünschte Nähe herstellen lässt. Also: Worüber mit wem im Ausland reden und welche Themen sollte man besser mit Samthandschuhen anfassen?

Smalltalk-Themen im Ausland

Thema Wetter: Hierzulande ist ein Plausch über das Wetter der idealer Smalltalkeinstieg, bei dem jeder mitreden kann. Ähnlich sehen es auch Niederländer, Schweizer, Tschechen und zahlreiche andere Nationen im Ausland. Anders die russischen Gesprächspartner. Wer das Gespräch im Verlauf ernsthaft vertiefen möchte, sollte diesen Gesprächseinstieg beim Smalltalk besser meiden, denn er gilt in Russland als zu banal. Denkbar schlechte Voraussetzungen also, wenn später z.B. geschäftliche Themen angeschnitten werden sollen.

Smalltalk und Geld: Über Geld redet man nicht? Das ist fast überall eine gute Idee, denn beim Geld hört nicht nur die Freundschaft auf - das Thema ist auch einfach zu gewichtig für das leichte Smalltalk-Parkett. Ausnahme bilden die Briten, die offensichtlich ein unverkrampfteres Verhältnis zum Geld haben als manch andere Nation. In Großbritannien wird gerne auf alles nur Mögliche gewettet und ein Gespräch über Aktienkurse gilt dort nicht als anrüchig, sondern ist ein Thema, mit dem man schnell ins Gespräch kommt.

Familie und Privatleben im Ausland: Ein Plausch über die Familie ist fast überall ein geeigneter Einstieg, um ein lockeres Gespräch zu beginnen. Vor allem Südeuropäer und Russen sind von familiären Themen begeistert, denn die Familie ist für sie das Größte. Wer mit einem Italiener spricht, kann ruhig die Familienfotos aus der Tasche ziehen. Desweiteren steht die Familie auch bei Franzosen, Briten oder Niederländern hoch im Kurs, doch sind ihnen familiäre Details zu privat, als dass sie sie während des Smalltalks erörtern würden. Schneidet der ausländische Gesprächspartner das Thema nicht von selbst an, sollte man also besser nicht nach der Familie fragen, insofern sie einem nicht persönlich bekannt ist.

Politische Themen beim Smalltalk: In Frankreich ist Politik durchaus ein beliebtes Thema für gesellige Runden, in denen hitzig diskutiert wird. Gemeinhin gilt jedoch, dass man von diesem Thema - vor allem im Ausland - die Finger lassen sollte, denn neutral bleibt hier kaum jemand. Politische Themen sind erst erlaubt, wenn sich die Gesprächspartner schon ein wenig besser kennen und jegliche Missverständnisse ausgeschlossen sind.

Vorsicht vor Tabuthemen im Ausland: Neben den allzu privaten und intimen Themen, die aus Höflichkeitsgründen in keinem Smalltalk der Welt etwas zu suchen haben, gibt es darüber hinaus länderspezifische Tabuthemen, mit denen man besonders schnell ins Fettnäpfchen treten kann. In Frankreich sind beispielsweise flapsige Sprüche über Napoleon tabu. Die Spanier möchten keine negativen Äußerungen über den Stierkampf hören und Italiener regieren sehr empfindlich, wenn die Mafia thematisiert wird. Und Skandinavische Gesprächspartner verspüren wenig Lust, sich immer wieder zu den verhältnismäßig hohen Lebenshaltungskosten äußern zu müssen. Sonst gilt: Kriege, Gepflogenheiten der katholischen Kirche, nationale Konflikte und dunkle Episoden der Geschichte gehören landesübergreifend zu den Themen, die in einem Smalltalk absolut fehl am Platz sind.

Der Smalltalk und die Mentalität im Ausland

Wer es mit ausländischen Gesprächs- oder Geschäftspartnern zu tun hat und den Smalltalk auf unverfängliche Themen wie Kunst und Kultur, Literatur, Architektur, Sport, das Essen oder aktuelle Ereignisse lenkt, wird sicher ein angenehmes Gesprächsklima schaffen. Voraussetzung ist jedoch, dass man nicht auf dem hohen Ross sitzt, sich positiv über landestypische Gepflogenheiten äußert und die allgemein geltenden Empfehlungen für einen gelungenen Smalltalk beherzigt. Dennoch können, abhängig von der Nationalität des Gesprächspartners, nicht nur gewisse Themen brisant werden. Auch die unterschiedliche Mentalität kann das, was als leichtfüßiges Gespräch geplant war, zum zähen Ringkampf werden lassen. Die Reaktionen der Gesprächspartner können dabei emotional recht unterschiedlich ausfallen - und das unabhängig von der jeweiligen Nation. Denn während der eine seine Sätze mit feinem Humor würzt, kommt der andere nüchtern und direkt zum Thema - da sind gewisse Missverständnisse meist vorprogrammiert. Gut beraten sind all jene, die sich beim Smalltalk im Ausland von vornherein auf die zu erwartende Mentalität ihres Gegenübers einstellen und nichts so persönlich nehmen, wie es im ersten Moment vielleicht erscheinen mag.

Gratwanderung Understatement: Nicht kleckern, sondern klotzen? Besser nicht, wenn man es mit Schweden oder Niederländern zu tun hat. Beide Nationen schätzen es überhaupt nicht, wenn ihr Gesprächspartner mit Rang und Status oder materiellen Dingen protzt. Auch die Spanier schätzen einen bescheidenen Auftritt. Mit sympathischem Understatement können Gesprächspartner aus Österreicher, Amerika, Osteuropa oder Indien nicht allzu viel anfangen. Titel, Reichtum und Rang werden hier offensiv zur Schau gestellt. Die vornehme Zurückhaltung, die anderenorts Sympathiepunkte bringt, kann sich hier sogar als Fallstrick erweisen, weil sie als mangelnde Kompetenz ausgelegt wird.

Die richtige Prise Humor: Mit Humor geht vieles leichter und das gilt natürlich erst recht für einen unverfänglichen Gesprächseinstieg. Vor allem Österreicher, Niederländer und Briten würzen den Smalltalk mit Humor und wer sich Respekt verschaffen möchte, sollte hier mithalten. Die Spanier sind humoristisch betrachtet zurückhaltender, allerdings schätzen sie es gar nicht, wenn man den Smalltalk vernachlässigt und direkt auf das Thema zusteuert.

Emotionen richtig deuten: Sachlich und direkt kommuniziert man mit einem Gesprächspartner aus Schweden, Tschechien und der Schweiz. Der russische Gesprächspartner hingegen reagiert gelegentlich sehr emotional. Das sollte - insofern es keinen Grund dazu gibt - nicht persönlich genommen werden, sondern der jeweiligen Mentalität im Ausland zugeschrieben werden. Gemeinhin gilt, dass Südeuropäer eine Konversation wesentlich temperamentvoller führen als die nordeuropäischen Gesprächspartner. Auch eine erhöhte Gesprächslautstärke, die in südlichen Gefilden völlig normal ist, kann im Norden darauf hinweisen, dass das Gespräch aus dem Ruder läuft.

Achtung Fettnäpfchen: Wer von einem Italiener eingeladen wird, muss sich mit einer Gegeneinladung revanchieren. Alles andere gilt als unhöflich. Und Büroaccessoires, die einem auf dem Schreibtisch des russischen Gesprächspartners ins Auge fallen, sollten tunlichst nicht zu heftig gelobt werden. Denn anderenfalls gebietet es die russische Höflichkeit, ebendiese Dinge als Geschenk zu überreichen und das kann für beide Gesprächspartner sehr unangenehm werden. Weniger ist eben manchmal mehr - und dies gilt besonders beim ersten Kennenlernen mittels oberflächlichem Smalltalk.

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