Brennnessel - Wirkungsweise und Anwendung

Brennnessel (Urtica dioica) - die Alleskönnerin unter den Heilpflanzen

Brennnessel Wer sie am Wegesrand stehen sieht, geht ihr gewöhnlich aus dem Weg und im eigenen Garten gilt sie als Unkraut. Verständlich, gestaltet sich doch der Erstkontakt mit der Brennnessel meist äußerst schmerzhaft. Grund hierfür sind die kleinen Brennhärchen, die ihrem Namen alle Ehre machen. Die kugelförmig ausgebildete Spitze der Härchen ist mit einem Sekret gefüllt, das unter anderem Ameisensäure enthält und genau diese Flüssigkeit implizieren die Brennhaare beim Kontakt injektionsgleich unter die Haut. Allerdings wäre es schade, sich davon abschrecken zu lassen, da die Brennnessel eine seit der Antike geschätzte Heilpflanze ist und das aus gutem Grund.

Mythen und Geschichten rund um die Brennnessel

Die eindeutig abwehrende Art der Brennnessel prädestinierte sie für alle Arten von Schutzzaubern. Die Germanen betrachteten die Brennnessel als Pflanze, die dem Donnergott Donar geweiht war, weswegen es naheliegend war, dass sie das Haus auch vor Blitzeinschlägen bewahren könne. Und in Form gewundener Kränze, die über der Haustür befestigt wurden, sollte die Pflanze das Heim zudem vor Dämonen schützen. Nahezu dämonisch mutet der Brauch an, das Vieh mit Brennnesseln zu schlagen, damit es vor Bösem verschont bliebe. Im milderen Fall räucherte man nur in der Walpurgisnacht den Stall mit Brennnesseln aus, auch das sollte Dämonen fernhalten. Das beim Vieh betriebene Auspeitschen soll übrigens auch bei rheumatischen Beschwerden Linderung verschaffen - so berichten zumindest die, die es schon einmal ausprobiert haben. Auch vor Geldsorgen, so glaubte man später, blieben die verschont, die Brennnesselgemüse verzehrten. Neben der magischen Wirkung wurde die Urtica dioica vor allem wegen ihrer Heilkräfte geschätzt. Ob Geschwüre, Entzündungen, Wunden oder Verdauungsprobleme kuriert werden sollten - die Nessel kam aufgrund ihrer Wirkungsweise oft zum Einsatz.

Zugeschriebene Heilwirkung der Brennnessel

Da die Brennnessel tatsächlich eine von der Wurzel bis zu den Früchten heilende und gesunde Pflanze ist, ist die ihr zugeschriebene Wirkung beachtlich:

  • Die Blätter der Brennnessel enthalten unter anderem Chlorophyll, Flavonoide und verschiedene Mineralstoffe wie Eisen, Kalium, Calcium und Kieselsäure. Die sich daraus ableitenden Heileigenschaften sind die folgenden: antirheumatisch, blutreinigend und blutbildend, entgiftend, entwässernd und harntreibend, entzündungshemmend sowie immunstimulierend.
  • Die Brennnesselfrüchte oder Samen enthalten unter anderem die Vitamine A, C und E sowie Linolsäure. Sie sind ein volksheilkundlich geschätztes Mittel zur Kräftigung und Stärkung - übrigens bei Mensch und Tier. Eingesetzt werden sie bei Müdigkeit oder stressbedingter Leistungsschwäche.
  • Der Brennnesselwurzel, die unter anderem Ligane und entzündungshemmende Gerbstoffe enthält, wird eine antientzündliche, immunstimulierende und hormonartige Wirkungsweise nachgesagt wird, die sich positiv auf die männlichen Geschlechtsorgane auswirken soll.

Die Brennnessel und ihre Anwendung

In der Praxis wird die Brennnessel in erster Linie bei Eisenmangel geschätzt, da sie gut verwertbares Eisen liefert. Ihre harntreibende, entwässernde und entzündungshemmende Wirkung macht sie zudem zur idealen Therapiebegleitung bei Harnwegsinfekten. Am gebräuchlichsten ist die Anwendung als Tee. Dieser kann als einfacher Aufguss sowohl aus frischen, wie auch aus getrockneten Blättern zubereitet werden. Soll eine Blutarmut therapiert werden, empfiehlt sich ein konzentriertes Brennnesselpräparat. Wer unreine, zur Akne neigende Haut pflegen möchte, kann eine Hand voll Brennnesselblätter mit kochendem Wasser übergießen und ein Dampfbad nehmen. Die getrockneten Brennnesselwurzeln werden gemäß der Anwendungshinweise als Aufguss zubereitet und getrunken.

Die Brennnessel in der Küche

Wer kulinarisch aufgeschlossen ist, kann frische Brennnesseln als Gemüsebeilage zubereiten. Eisenhaltiger als Spinat ist sie allemal und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Hierfür die sauber verlesenen Brennnesseln einfach einige Minuten in Wasser dünsten und eventuell mit Gewürzen verfeinern. Für vier Personen sollten 300 Gramm der Nessel veranschlagt werden. Wer Pfannkuchen würzig-rustikal gestalten möchte, kann neben Eiern, Mehl und Milch 2 Esslöffel frisch gerupfter Brennnesselblätter in den salzigen Teig geben. Ebenfalls einen Versuch wert sind frischer Brennnesselsaft sowie getrocknete Wurzeln und Samen. Im Rahmen einer stärkenden und aufbauenden Kur können täglich 1-2 EL der würzig schmeckenden Brennnesselsamen pur verzehrt oder über Salate und andere Speisen gegeben werden.

Medikamente und medizinische Verwendung

Da die Brennnessel als die Eisenpflanze schlechthin gilt, ist sie vorwiegend in frei verkäuflichen Medikamenten zu finden, mit denen eine Blutarmut therapiert wird. So kommt sie unter anderem in konzentrierter Saftform oder auch in homöopathischen Urtinkturen sowie Globuli und Dilutionen vor. Die Wirkungsweise bei homöopathischen Arzneien ist natürlich nicht wissenschaftlich bestätigt.

Anbau und Ernte

Wer das vielseitige Gewächs selbst ernten möchte, tut dies besser nur dort, wo die Natur intakt ist und die Pflanze weder mit Unmengen von Abgasen oder den Hinterlassenschaften von Vierbeinern in Kontakt gekommen ist. Ideal ist allerdings ein Plätzchen im Garten, an dem die Brennnesseln wachsen dürfen oder alternativ ein Kübel auf dem Balkon. Geht es ans Ernten, sind vor allem die jungen Brennnesseltriebe interessant und eine gute Erntezeit ist der Mai. Wer hartgesotten ist und den durchblutungsfördernden Effekt schätzt, kann sich der Brennnessel einfach so nähern. Alle anderen verzichten lieber darauf und ziehen vorher Handschuhe über.

Gut zu wissen: Sind die Brennhaare einmal gebrochen, brennen sie nicht mehr und von getrockneten Brennnesseln geht ohnehin keine Gefahr mehr aus.

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