Baldrian - Anwendung und Wirkung auf den Körper

Baldrian (Valerina officinalis) - sorgt für ruhige Nerven

Baldrian gilt, grob zusammengefasst, als das Beruhigungskraut schlechthin, welches hauptsächlich bei psychovegetativen und psychosomatischen Störungen seine Wirkung auf den Körper entfaltet. Vor allem in der Volksheilkunde wird die Pflanze (oftmals auch in Verbindung mit Hopfen oder Melisse) als mildes Mittel bei Schlaflosigkeit, Nervosität und Unruhezuständen verwendet. Entsprechende Präparate sind in Apotheken oder Drogeriemärkten frei verkäuflich. Allerdings ist die Wirkung eher geringfügig und wirkt vielmehr erst bei regelmäßiger Einnahme. Denn Baldrian braucht einen gewissen Wirkstoffspiegel, um seine beruhigende und schlaffördernde Wirkung entfalten zu können.

Mythen und Geschichten rund um den Baldrian

Seinem intensiven Geruch hat es der Baldrian zu verdanken, dass ihn schon die alten Griechen als „Phu“-Kraut bezeichneten und er auch forthin mit so wenig schmeichelhaften Beinamen wie „Stinkkraut“ oder „Stinkwurz“ bedacht wurde. Schuld hieran sind nicht die weißen oder lilafarbenen Blüten, deren Geruch durchaus als lieblich bezeichnet werden kann, sondern die Wurzeln, die das ätherische Öl enthalten, das beim Trocknen unangenehm streng riecht und das sogar noch Baldriantabletten entströmt.

Anfangs galt das Kraut eher als äußerst wirksam für Abwehrzaubereien aller Art. Doch bereits im 17. Jahrhundert lobte es der Kräuterheilkundige Culpeper als Arznei, die den Stuhl befördern, Kopfschmerzen, Verstimmungen und andere Leiden zu kurieren vermochte und das selbst dann, wenn andere Mittel versagten. Und noch immer ist Baldrian das Mittel der Wahl, um nervösen Beschwerden beizukommen.

Andere aussagekräftige Beinamen, mit denen der Baldrian benannt wird, sind Katzen- oder Hexenkraut. Tatsächlich fühlen sich Katzen vom intensiven Geruch der Baldrianwurzel magisch angezogen. Gleiches gilt auch für Ratten, weswegen die Legende behauptet, dass der Rattenfänger von Hameln nicht dank seiner Pfeife so erfolgreich war, sondern weil er ein wenig Baldrianwurzel bei sich trug. Als sogenanntes Hexenkraut wird Baldrian in alten Kräuterbüchern geführt, da man dem Kraut nachsagte, dass er Hexen und sogar den Teufel fernhalten sollte. Im Nahen Osten ist es seit jeher Brauch, sich bei besonderen Anlässen mit einem baldrianhaltigem Körperöl einzureiben. Zu beachten ist allerdings, dass es sich hierbei nicht um den Valerina officinalis handelt, sondern um den als „Spikenard“ bezeichneten Valariana officinalis, der unter anderem dadurch besticht, dass er wesentlich besser riecht als der uns bekannte Baldrian.

Wirkungsweise von Baldrian

Für die medizinische Verwendung interessant sind die Wurzeln. Sie enthalten unter anderem ätherische Öle, Alkaloide, Aromastoffe, Bitter- und Gerbstoffe, Cholin, Valepotriate sowie verschiedene andere Wirkstoffe, weswegen dem Baldrian folgende Wirkungen zugeschrieben werden:

  • Äußerlich z.B. als Duft oder Bad angewandt: beruhigend
  • Innerlich angewandt: stark beruhigend, entspannend, krampflösend, schlaffördernd, angstlösend

Baldrian wirkt als Schlaf- und Beruhigungsmittel

Baldrian gilt als das pflanzliche Mittel der Wahl, wenn flatternde Nerven zu beruhigen sind oder die Psyche zu stärken ist. Schon in der Volksheilkunde wurde gerne auf Baldrian zurückgegriffen, wenn psychisch bedingte Leiden zu kurieren waren. Neben Unruhezuständen, nervlich bedingten Ein- und Durchschlafstörungen, Nervosität oder Angstzuständen sprechen auch durch Angst, Erregung oder Stress bedingte Magen- und Darm-Beschwerden gut auf Baldrian an. Das gleiche gilt für Patienten mit Reizblase und Koliken, da Baldrian auf die glatte Muskulatur einwirkt.

Wirkung von Baldrian auf den Kreislauf

Zudem wird vermutet, dass sich die Einnahme von Baldrian positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt, indem Blutdruck und Herzfrequenz (Puls) leicht gesenkt werden. Genaue Studien hierüber stehen allerdings noch aus. Zumindest bei nervösen Herzbeschwerden scheint Baldrian die Leistungsfähigkeit am Tag zu verbessern.

Anwendung von Baldrian

Wer nicht auf Fertigpräparate wie Tinkturen oder Tabletten zurückgreifen möchte, kann es mit Baldriantee versuchen, der aus der Wurzel zubereitet wird. Die Zubereitungsvorschläge hierfür gehen auseinander. Wer Geduld hat, nimmt pro Tasse bis zu 2 Teelöffel der Baldrianwurzel, übergießt sie mit 250 ml kaltem Wasser und lässt das Ganze über Nacht ziehen. Tags darauf abseihen, nach Geschmack erwärmen, aber nicht kochen oder kalt trinken. Eine andere Zubereitungsform, die ein wenig zeitsparender ist: Bis zu 2 Teelöffel Baldrianwurzeln mit 250 ml Wasser kalt ansetzen, kurz aufkochen lassen, nachfolgend noch bis zu drei Stunden ziehen lassen und dann abseihen.

Die äußerliche Anwendung ist hierzulande weniger gebräuchlich und beschränkt sich meist auf ein Bad mit Baldrianzusatz. Obwohl Baldrian als beruhigend und entspannend gilt, kann er doch auch das Gegenteil bewirken, denn alles ist eine Frage der richtigen Dosierung. Als Faustregel gilt, dass die anregende Wirkung zutage tritt, wenn weniger als 200 mg des extrahierten Wirkstoffs eingenommen werden, darüber hinaus wirkt Baldrian nervlich entspannend. Die Wirkung des Baldrians setzt - wie bereits erwähnt - nicht immer sofort ein, weswegen sich eine Einnahme von wenigstens zwei Wochen empfiehlt.

Anbau und Ernte

Baldrian ist ein ausgesprochen genügsames Kraut. Er gedeiht in sonnigen ebenso wie in schattigen Regionen und auch an den Boden werden keine besonderen Ansprüche gestellt. Hat das Kraut allerdings die Wahl, bevorzugt es feuchten Boden, weswegen es besonders auf Feuchtwiesen oder an Gewässern zu finden ist, wo es prächtig gedeiht. Geerntet werden können zweijährige Pflanzen und die beste Erntezeit ist der Spätherbst.

Gefahrenhinweise und Nebenwirkungen von Baldrian

Baldrian gehört zu den allgemein sehr gut verträglichen Heilpflanzen. Vorsicht jedoch bei der gleichzeitigen Einnahme von Beruhigungsmitteln oder anderen Psychopharmaka. Abgeraten wird auch von der gleichzeitigen Einnahme von Baldrian und Schlafmitteln. Ebenso ist der Dauergebrauch von Baldrian nicht ratsam. Vorsicht ist auch bei einer Überdosierung gegeben, die bei unsachgemäßer Einnahme der Fertigpräparate durchaus möglich ist. Folgen einer Überdosierung können zu Herzrasen oder Kreislaufbeschwerden führen. Für Erwachsene gilt eine Höchstdosis von maximal 15 g des Wirkstoffextraktes.

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